Schreibwettbewerb 2008

1. Preis Erwachsene Christiane Sprengel-Henning

Die Gans heißt Hans!

Ein Urlauber hat ganz versunken in Stadersand ein Bier getrunken.
Am Himmel sieht er ganz genau Vögel fliegen wie ein „V“.
Er fragt sich, was das denn wohl sei, da kommt ein Einheimischer vorbei;
„Die Ringelgänse kommen wieder!“ sagt er nur und geht vorüber.
 
Am nächsten Tag steht gleicher Pinsel auf Pagensand, - das ist ‚ne Insel!
Da schwimmen glücklich und zufrieden Schnabeltiere Richtung Süden.
„Ob das die Ringelgans wohl ist?“, fragt sich der dümmliche Tourist.
„Nee!“ meint da ein schlauer Fischer, „die Zwerggans ist’s, ich bin ganz sicher!“
 
In Freiburg an der Niederelbe erlebt der Mann dann fast dasselbe.
Er sieht auf grünen Uferwiesen Vögel, die zum Aufbruch bliesen.
„Die Zwerggans will nun sicher weiter!“, sagt er deshalb – nun gescheiter.
Doch war’s die Graugans dort im Gras, ein Vogelkundler wusste das.
 
Zum Schluss des Urlaubs – auf Krautsand, da hat der Mensch ‚ne Gans erkannt;
Sie ist ganz hell und fast noch grau. „Die Graugans ist’s – ja ganz genau!“
Da kommt ein Bauer nah heran; Ein kräftiger, wortkarger Mann,
nimmt auf den Arm das Gänsetier: „Hans, die Hausgans, gehört mir!“
 

2. Preis Erwachsene  Monika Heil, Stade

Graugänse ziehen ihre Bahn und kommen auch bei uns jetzt an.
Sie fühlen sich hier richtig wohl. Kehdinger Land – ihr Ruhepol.
Abertausend fliegen ein, rasten im Abendsonnenschein.
 
Graugans Anna und ihr lieber Mann kamen gestern morgen an.
Auch Graugans Franz und Gattin Liese lieben ihre grüne Wiese.
Beobachtet von Groß und Klein schweben elegant sie ein.
Um kurz darauf zu landen weich auf den Wiesen hinter’m Deich.
 
Vom langen fliegen noch ganz matt, fressen sie sich erstmal satt.
 
Sie treffen tausend Schwestern, Brüder und sie erzählen immer wieder
die Geschichten ihrer Reise, erst lebhaft laut, dann wird es leise.
Und wenn die Nacht sich niedersenkt, genießen sie den Abendfrieden
und träumen sich schon in den Süden.
 
Sie fliegen gemeinsam in Formation und künden so den Winter schon.
Liese bliebe lieber hier im schönen Elbe-Rand-Quartier.
Ganz anders reagiert ihr Mann, denn er treibt sie mächtig an.
Sie jammert: „nicht so eilig Franz!“ „Halt deinen Schnabel, dumme Gans!“
Ruft er so gänzlich ohne Charme und startet mit dem nächsten Schwarm.
 
Das lässt sie sich nicht gefallen, schon gar nicht vor den andern allen.
Anna ruft: „Nun komm schon, Liese!“ Doch die verharrt auf ihrer Wiese.
Annas Mann bleibt mit zurück und schnäbelt leis: „Du bist mein Glück.“
 

3.  Preis Erwachsener  Günter Brunow, Wischhafen

Wildgänse in Kehdingen

Wir kommen von weit her geflogen, fünftausend Kilometer, das ist nicht gelogen.
Wir sehen die Elbe, da ist unser Ziel, die Kehdinger Weiden bedeuten uns viel.
Tausend Jahre und noch viel mehr kommen wir hier nun schon her.
Seitdem wir diese Gegend erkundet, hat uns Kehdinger Gras vorzüglich gemundet.
Auf Kehdinger Weiden wollen wir rasten, können wir das nicht, müssen wir fasten.
Die Landwirte möchten von ihren Weiden, uns am liebsten ganz vertreiben,
weil unsere Hinterlassenschaft den Bauern selten Freude schafft.
Statt Weidegras, das uns ernährt, ist Raps und Mais doch sehr begehrt.
Vom September bis zum April, wenn es das Wetter denn so will,  sind wir im Elbeland
zu Gast, von Stade bis Cuxhaven fast.
Kommt aber Schnee, ist es am besten wir fliegen ab in Richtung Westen.
Doch liegt kein Schnee mehr auf dem Land, sind wir zurück am Elbestrand.
Nonnengänse in großen Schwärmen, können des Betrachters Herz erwärmen.
Kommt dann der Bruttrieb, sind wir fort, am Nordmeer liegt unser Heimatort.
Auf Wiedersehn, das ist doch klar, wir kommen wieder im nächsten Jahr
 
 

1. Preis Kinder    Alisha Stempewicz, Mulsum

Die Wildgans fliegt mit hartem Schrei, in grauer Herbstnacht grau vorbei;
wie Storm geschildert hat genau: Gans, Strand, Meer, Stadt, Nacht – alles grau.
Die Gans, mit einigem Verstand, möchte deshalb auch nach Süddeutschland,
wo alles wärmer ist und bunter; sie fliegt bis Afrika hinunter.
Ausdauernd, obzwar ohne Eil’. Die Gänse bilden einen Keil; an dessen Spitze,
gans für sich, fliegt ein gewaltiger Gänserich.

2. Preis Kinder     Marie Saskia Reyels, Freiburg

Die Wildgansschar

Die Wildgansschar ist im Oktober das. Sie fliegt durch das Kehdinger Land,
zwischen Balje und Krautsand. An der Elbe machen sie manchmal eine Rast,
so dass du etwas zu sehen hast. Aber schau nicht so lang nach oben,
weil von dort kommt vielleicht ein Pups geflogen.
Und trifft dich mal so ein „Stück“, macht das nichts, das bringt Glück.

3. Preis Kinder     Daniel Oest, Drochtersen

Wenn es Herbst wird im Kehdinger Land, sehe ich Gänse am Elbestrand.
Sie fliegen in den Süden in Scharen, dorthin wo sie letztes Jahr auch schon waren.
Aufwiedersehen du schönes Tier, im nächsten Jahr bist du ja wieder hier.
 
3. Preis Kinder     Henry Goedecke, Wischhafen
 
Die Gänse ziehen übers Land, in Nordkehdingen sind sie bekannt.
Sie gehören zu uns wie der Wind und das Meer, dass sie bei uns
überwintern freut alle sehr. Sie kommen in Schwärmen, niemals allein,
so soll es auch in einhundert Jahren noch sein.
 
Sonderpreis Kinder     Michelle von Allwörden, Oederquart
 
Wie eine Wildgans leben
 
Wie eine Wildgans möchte ich durch die Lüfte schweben, dann könnte man die Welt von oben erleben.
Ich könnte Halt machen wo es mir gefällt und bräuchte nicht einmal Geld.
 
Wenn es kalt wird fliege ich einfach fort an einen schönen, warmen Ort.
Familie und Freunde wären immer dabei, so wäre ich nie allein.
 
Hausaufgaben müsste ich auch nicht machen, so hätte ich ne menge mehr zu lachen.
Schule würde ich gar nicht kennen, so könnte ich jeden Morgen verpennen.
 
Ja, eine Wildgans führt ein schönes Leben, doch meines würde ich nie dafür geben.
  
 
Sonderpreis Jugendliche    Sandrine Koppelmann, Krautsand
 
Wenn ich an meinem Fenster steh und eine Gans am Himmel seh, wünscht ich, ich wär sie.
Ich würd die Flügel ausbreiten und beschwerlos über die Wolken gleiten.
Könnt Wind zwischen den Federn spüren und schon fast den Himmel berühren.
Der Sonne würd ich schnell entgegen fliegen und lernen nicht nur mich zu lieben.
In Massen könnt ich sehen, Berg und Tal so wunderschön.
Die Natur würd ich genießen, wird es auch in Strömen gießen.
Freier als eine Gans kann ich nicht sein und ich flieg doch nie allein.
Gemeinsam kann mans schaffen, auch den Winter hinter sich zu lassen.
In den Süden würden wir dann fliehen und im See zusammen baden gehen.
Die Gans jedoch lebt in Wachsamkeit, denn ein Jäger ist meist nicht weit.
Einfach Leben, dass würde ich, doch dafür lass ich niemanden im Stich.
Vielleicht würd diese Rolle super zu mir passen, doch das fliegen bleibt den Gänsen
überlassen.
Wenn ich also am Fenster steh und eine Gans am Himmel seh, dann wünsch ich ihr
viel Glück auf ihrer Reise, das sag ich ihr ganz leise.
 
Sonderpreis Erwachsene            Anita Vagts, Stade  zwei schöne Gedichte zu Haus- und Wildgans
 
Aber Anneliese!
 
Manchmal kann ichs kaum erwarten, zu gehen in den Gänsegarten.
Dort schreiten behäbig auf der Wiese der Frieder und die Anneliese.
Annelies hat auf den Kopf einen kecken Federschopf.
 
Als Wielewieles waren klein, wisperten sie: „Lasst uns nicht so lang allein.“
Nehmt uns gerne auf den Arm und wir sind ja auch ganz zahm.
Folgten uns in alle Ecken, um schöne Kräuter zu entdecken.
 
Heut empfängt uns schon am Tor lauthals der Trompetenchor.
„Das ist unser Garten jetzt, seht zu, dass ihr uns nicht vergrätzt!“
Annelies, im Schnürsenkelziehen Meisterin, schnappt nun schon viel forscher hin.
Kommt herangerauscht ganz fix und schon packt sie uns an der Büx.
Das ist nun nicht mehr so zum Lachen, auch Blutergüsse kann sie machen.
 
Und der schmucke Ganter Frieder denkt bei sich: „was soll das wieder?“
Warum ist sie so zickig heut? Sie übertreibt die Wachsamkeit.“
Ob vielleicht im nächsten Jahr die Annelies führt ne Kinderschar
Und ist dann brav und bieder? Doch was macht dann mit uns der Frieder?
 
Die Wildgänse
 
Habt Ihr schon vernommen? Die Wildgänse kommen!
Ihr Rufen hört man schon von weit und dann wird es für mich Zeit,
in die Natur hinauszugehn und mir das Schauspiel anzusehen.
 
Sie fliegen über Stadt und Land und nehmen mich in Ihren Bann.
Über der Elbe ist der Himmel frei, eine Kette nach der anderen zieht vorbei.
Es ist eine Riesenschar und ich find es wunderbar.
 
Ich wünsche mir dann schon, mitzufliegen wie Nils Holgersson.
 
Sonderpreis Erwachsene    Tilmann Humburg, Drochtersen   zwei schöne poetische Gedichte
 
Elegie auf eine Graugans
 
Am Sand vorm Deich aus steiler Höh’ kam neulich – ungelogen –
im Gleitflug auf dem Baggersee ’ne Wildgans angeflogen.
 
Die kam in einem großen Schwarm vom frostigen Sibirien
nach Kehdingen. Da hat sie’s warm, da macht sie Winterferien.
 
Als Männchen ist die graue Gans natürlich ein Gänserich
und heißt mit Namen vielleicht Hans, vielleicht sogar Hans-Erich.
 
Da sitzt er nun und starrt ins Gras, ins saftig-grüne Fressen,
und träumt vielleicht von irgendwas ganz still und selbstvergessen.
 
Im Traum denkt er an eine Gans ’ne graue, ganze wilde,
vom letzten Mai beim Blütentanz – wir nennen sie mal Hilde.
 
Die hat er sicht verliebt und klug als Gattin auserkoren.
Doch auf dem langen Vogelflug da hat man sich verloren.
 
So sitzt und wartet er allein auf Hilde wohl vergebens
am Deich, im Abendsonnenschein. Das ist der Lauf des Lebens.
 
 
Alt-Kehdinger Gänse – Non-Sense mit Moral
 
Im warmen Mittagssonnenglanz ergibt sich ihren Wonnen ganz
- noch müde wohl vom Tonnentanz – ’ne kleine süße Nonnengans.
 
Da denkt der stolze Höckerschwan, der alte, eitle Meckerhahn:
„Vielleicht fühlt die sich lecker an. – Doch ich geh lieber Trecker fan.“
 
Schon komm’n die and’ren Nonnengänse, die wollen sich auch sonnen, denn se
sind sicherer – so mein’n se, wenn se beisammen sind – vor Bauers Sense.
 
Dem stolzen Schwan mit seinem Höcker fällt all das Schnattern und Gemecker
Nun doch so ziemlich auf den Wecker. Drum haut er ab mit seinem Trecker.
 
Auch meint der Bauer mit der Sense: „In Ruhe sitzen bleiben könn’n se.“
Er denkt: Da mäh ich lieber, wenn se dann weg sind, diese süßen Gänse.
 
Moral: Wer klein ist, schwach und schmächtig, wo and’re stark und übermächtig,
der suche Freunde sich bedächtig. So schützt und rettet er sich prächtig.